Preisanalyse
Wettbewerber fürs Preismonitoring richtig auswählen
Auf einen Blick
Relevante Wettbewerber fürs Preismonitoring erkennt man an drei Kriterien: hohe Sortimentsüberschneidung, gleiche Zielgruppe und vergleichbares Preisniveau. Entscheidend ist der Kaufeinfluss – beobachtet wird, wer Kunden tatsächlich abwirbt, nicht jeder Anbieter am Markt. Für die meisten Händler genügen fünf bis fünfzehn Wettbewerber pro Warengruppe statt einer endlosen Liste.
Bevor die erste Wettbewerbspreis-Zeile in ein Monitoring läuft, steht eine Entscheidung an, die die meisten Ratgeber überspringen: Welche Anbieter gehören überhaupt auf die Beobachtungsliste? Wer diese Frage falsch beantwortet, sammelt Daten über Händler, die keine Kunden abwerben – und übersieht die zwei, drei Anbieter, die den Preisdruck tatsächlich erzeugen. Die Auswahl der Vergleichshändler entscheidet über die Qualität aller folgenden Auswertungen.
Ein Preismonitoring ist nur so gut wie seine Vergleichsbasis. Die eigentliche Preisbeobachtung: Wettbewerbspreise systematisch erfassen und die spätere Preisanalyse bauen auf dieser Liste auf. Falsche Wettbewerber verzerren jeden Preisindex, jede Positionierungsaussage und jede automatische Regel. Die folgende Systematik liefert Kriterien für die Auswahl und einen Richtwert für die sinnvolle Anzahl.
Nach welchen Kriterien man Wettbewerber auswählt
Relevant ist ein Wettbewerber, wenn er Kaufentscheidungen der eigenen Kunden beeinflusst. Drei Kriterien machen das messbar.
Sortimentsüberschneidung. Der wichtigste Filter. Ein Anbieter ist nur dann ein Vergleichshändler, wenn er einen relevanten Teil des eigenen Sortiments ebenfalls führt. Als Faustregel gilt: Überschneiden sich weniger als 20 Prozent der Artikel, ist der Anbieter für ein systematisches Monitoring meist zu weit weg. Entscheidend ist dabei nicht die Gesamtzahl gemeinsamer Artikel, sondern die Überschneidung in den umsatzstarken Warengruppen. Ein Anbieter, der genau die eigenen Top-Seller führt, ist relevanter als einer mit tausend Randartikeln.
Zielgruppe und Kaufkontext. Zwei Händler können dieselben Artikel führen und trotzdem keine Wettbewerber sein. Ein Fachhändler mit Beratung und ein reiner Discounter sprechen unterschiedliche Käufer an. Relevant ist ein Anbieter, wenn Kunden zwischen ihm und dem eigenen Shop tatsächlich abwägen. Ein einfacher Test: Tauchen die Anbieter in denselben Preissuchmaschinen-Ergebnissen und Vergleichsseiten auf wie der eigene Shop, konkurrieren sie um dieselben Käufer.
Preisniveau und Positionierung. Ein Wettbewerber, der grundsätzlich 40 Prozent teurer oder billiger verkauft, liefert wenig Steuerungsinformation für das eigene Pricing. Sinnvoll sind Anbieter im vergleichbaren Preiskorridor, weil ihre Preisbewegungen direkt auf die eigene Nachfrage wirken. Extrem positionierte Anbieter gehören trotzdem in die Beobachtung, aber als Referenzpunkt für die Marktspanne, nicht als Taktgeber für Preisänderungen.
Sauber vergleichbar werden Preise erst über Produktmatching – die eindeutige Zuordnung identischer Artikel über GTIN und Herstellernummern. Ohne diese Grundlage vergleicht das Monitoring Äpfel mit Birnen, egal wie gut die Wettbewerberauswahl ist.
Direkte, indirekte Wettbewerber und Marktplatz-Seller
Nicht jeder Wettbewerber gehört auf dieselbe Ebene der Beobachtung. Drei Typen sind zu unterscheiden.
Direkte Wettbewerber verkaufen identische Artikel an dieselbe Zielgruppe. Sie stehen im Zentrum jedes Preismonitorings, weil nur hier ein exakter Preisvergleich pro Artikel möglich ist. Bei markenidentischen Produkten mit GTIN funktioniert das Matching automatisch und zuverlässig.
Indirekte Wettbewerber decken denselben Bedarf mit anderen Marken oder Produkttypen ab – etwa ein Eigenmarken-Werkzeug gegen ein Markenprodukt. Sie beeinflussen die Zahlungsbereitschaft, lassen sich aber nicht Artikel für Artikel vergleichen. Für sie eignet sich eine Beobachtung auf Warengruppen- oder Kategorieebene, nicht auf SKU-Ebene.
Marktplatz-Seller sind ein Sonderfall. Auf Amazon oder Otto konkurrieren oft dutzende Händler um dieselbe Artikelnummer. Hier zählt nicht die Zahl der Seller, sondern wer den lieferfähigen Bestand und den Buy-Box-Anteil hat. Wer über Marktplätze verkauft, sollte die relevanten Seller je Artikel beobachten, weil dort das Repricing im Minutentakt läuft und die Preisführerschaft ständig wechselt.
{% table %}
- Wettbewerbstyp
- Vergleichsebene
- Priorität im Monitoring
- Direkt (identische Artikel)
- Artikel/SKU
- hoch
- Marktplatz-Seller
- Artikel/SKU je Marktplatz
- hoch, wenn Marktplatz-Umsatz relevant
- Indirekt (Bedarfsersatz)
- Warengruppe/Kategorie
- mittel bis niedrig {% /table %}
Wie viele Wettbewerber sinnvoll sind
Für die meisten Händler genügen fünf bis fünfzehn Wettbewerber pro Warengruppe. Diese Spanne balanciert Aussagekraft gegen Pflegeaufwand.
Der Nutzen zusätzlicher Wettbewerber sinkt schnell. Die ersten drei bis fünf Anbieter decken bei den meisten Sortimenten den Großteil des relevanten Preisdrucks ab. Jeder weitere Anbieter fügt Datenpunkte hinzu, die die Preisentscheidung selten ändern, aber Matching-Aufwand, Fehlerquellen und Rauschen erhöhen. Ein Monitoring über 60 Wettbewerber erzeugt eine Preisspanne, in der fast jeder eigene Preis irgendwo „im Markt" liegt – und damit keine klare Handlungsempfehlung mehr liefert.
Die richtige Zahl hängt von der Marktstruktur ab. In einem konzentrierten Markt mit wenigen starken Anbietern reichen drei bis fünf Wettbewerber. In fragmentierten Märkten mit vielen kleinen Shops braucht es mehr, um ein belastbares Bild zu bekommen – aber auch dort selten mehr als fünfzehn pro Warengruppe. Statt die Liste breit zu ziehen, lohnt es, sie scharf zu halten und regelmäßig zu prüfen.
Die Wettbewerberliste regelmäßig überprüfen
Eine Wettbewerberliste ist kein einmaliges Setup, sondern ein wiederkehrender Prozess. Mindestens einmal pro Quartal gehört sie auf den Prüfstand, bei schnelldrehenden Sortimenten wie Elektronik häufiger.
Drei Fragen strukturieren die Überprüfung: Sind neue Anbieter in den Markt eingetreten, die Kunden abwerben? Haben beobachtete Wettbewerber ihr Preisniveau oder Sortiment so verändert, dass sie nicht mehr vergleichbar sind? Und liefert ein Wettbewerber seit Monaten Daten, die nie eine Preisentscheidung beeinflusst haben? Anbieter der dritten Kategorie können von der Liste – sie kosten Pflege, ohne Wert zu stiften.
Ein Signal für eine überfällige Prüfung: Wenn die eigene Preisposition stabil erscheint, der Umsatz aber ohne erkennbaren Grund einbricht, beobachtet das Monitoring womöglich die falschen Wettbewerber. Der eigentliche Preisdruck kommt dann von einem Anbieter, der gar nicht auf der Liste steht.
Praxisbeispiel: Werkzeughändler mit 14.000 Artikeln
Ein Onlinehändler für Handwerkzeug führt 14.000 Artikel und will erstmals ein Preismonitoring aufsetzen. Der erste Impuls: alle 30 Anbieter beobachten, die in den Preissuchmaschinen auftauchen. Nach Anwendung der Kriterien bleibt eine deutlich kürzere Liste.
Die Umsatzanalyse zeigt: 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf 2.000 Artikel in vier Warengruppen. Für diese Kernwarengruppen identifiziert der Händler je fünf bis acht direkte Wettbewerber mit hoher Sortimentsüberschneidung und vergleichbarem Preisniveau. Hinzu kommen die drei relevanten Marktplatz-Seller auf Amazon, über das rund ein Viertel des Umsatzes läuft. Zwei Baumarktketten mit abweichender Zielgruppe und höherem Preisniveau bleiben als Marktspannen-Referenz auf einer Nebenliste, fließen aber nicht in die tägliche Preissteuerung ein.
Ergebnis: statt 30 Anbieter pauschal rund 25 relevante Wettbewerber, verteilt nach Warengruppe und Typ. Der Matching-Aufwand konzentriert sich auf die umsatzstarken Artikel, und die Preisauswertung liefert klare Aussagen statt einer diffusen Spanne. Die Zahlen dieses Beispiels sind als Szenario zu verstehen.
Häufige Fehler bei der Wettbewerberauswahl
Zu viele Wettbewerber tracken. Der verbreitetste Fehler. Eine lange Liste wirkt gründlich, erzeugt aber Datenrauschen und verwässert jede Preisaussage. Weniger, aber relevante Anbieter liefern schärfere Entscheidungen.
Nur nach Bekanntheit auswählen. Der größte Marktteilnehmer ist nicht automatisch der relevanteste Wettbewerber. Entscheidend ist die Überschneidung im eigenen Sortiment und in der eigenen Zielgruppe, nicht die Bekanntheit der Marke.
Zielgruppe ignorieren. Wer nur auf identische Artikel schaut und den Kaufkontext ausblendet, landet bei Wettbewerbern, gegen die er faktisch nie antritt. Ein Discounter und ein Fachhändler teilen sich Artikel, aber selten Kunden.
Die Liste einfrieren. Eine Wettbewerberliste, die nach dem Setup nie wieder angefasst wird, veraltet still. Neue Anbieter bleiben unsichtbar, alte binden Pflegeaufwand ohne Nutzen.
Marktplatz-Seller pauschal aufnehmen oder ignorieren. Beides ist falsch. Relevant sind die Seller mit Buy-Box-Anteil und Lieferfähigkeit – nicht jeder gelistete Anbieter, aber eben auch nicht null, wenn der Marktplatz Umsatz trägt.
Zusammenfassung
Die Auswahl der Wettbewerber ist der erste und oft übersprungene Schritt eines Preismonitorings. Relevant sind Anbieter mit hoher Sortimentsüberschneidung, gleicher Zielgruppe und vergleichbarem Preisniveau – gemessen daran, ob sie Kaufentscheidungen der eigenen Kunden beeinflussen. Zu unterscheiden sind direkte Wettbewerber, indirekte Wettbewerber und Marktplatz-Seller, jeweils mit eigener Vergleichsebene. Für die meisten Händler genügen fünf bis fünfzehn Wettbewerber pro Warengruppe; mehr erhöht den Aufwand ohne besseren Entscheidungsgrund. Wichtig bleibt die regelmäßige Überprüfung, mindestens quartalsweise, damit die Liste den Markt weiter korrekt abbildet.
Häufige Fragen
Wie viele Wettbewerber sollte man beim Preismonitoring beobachten?
Für die meisten Händler reichen fünf bis fünfzehn Wettbewerber pro Warengruppe. Mehr Anbieter erhöhen den Pflegeaufwand und das Rauschen in den Daten, ohne die Preisentscheidung zu verbessern. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern ob die beobachteten Anbieter Kaufentscheidungen Ihrer Kunden tatsächlich beeinflussen.
Was unterscheidet direkte von indirekten Wettbewerbern?
Direkte Wettbewerber verkaufen identische oder nahezu identische Artikel an dieselbe Zielgruppe, sind also über GTIN oder Herstellernummer eindeutig vergleichbar. Indirekte Wettbewerber decken denselben Bedarf mit anderen Produkten oder Marken ab. Fürs Preismonitoring stehen direkte Wettbewerber im Vordergrund, weil nur dort ein sauberer Preisvergleich möglich ist.
Sollte man Marktplatz-Seller ins Preismonitoring aufnehmen?
Ja, wenn der eigene Umsatz relevant über Marktplätze läuft oder Kunden dort vergleichen. Auf Amazon oder Otto konkurrieren oft dutzende Seller um dieselbe Artikelnummer. Relevant sind die Seller mit Buy-Box-Anteil und lieferfähigem Bestand, nicht jeder gelistete Anbieter.
Wie oft sollte man die Wettbewerberliste überprüfen?
Mindestens einmal pro Quartal, bei schnelldrehenden Sortimenten wie Elektronik häufiger. Neue Anbieter treten in den Markt ein, andere ziehen sich zurück oder ändern ihre Preispositionierung. Eine Liste, die ein Jahr unverändert bleibt, bildet den Markt selten noch korrekt ab.
Fachlich gegengelesen von: Nils Horst

